Die Entscheidung zwischen Cloud und eigenem Server hängt an acht Kriterien: Qualität der Internetanbindung, Datenmenge, Art der Fachanwendungen, gewünschte Kostenstruktur, Zahl der Standorte, Schwankung des Bedarfs, Bereitschaft zur Betriebsverantwortung und rechtliche Anforderungen an den Ort der Verarbeitung. In Unternehmen mit 50 bis 2000 Arbeitsplätzen führt die Prüfung fast immer zu einem hybriden Aufbau.
Was gemeint ist
Eigener Server bezeichnet Systeme, die im Unternehmen selbst betrieben werden, meist virtualisiert auf eigener Hardware. Die Verantwortung für Beschaffung, Betrieb, Sicherung und Ausfallsicherheit liegt beim Unternehmen oder bei seinem Dienstleister.
Cloud bezeichnet Dienste, die über das Internet bezogen und nach Nutzung bezahlt werden. Sie reicht vom fertigen Anwendungsdienst über gemietete Serverleistung bis zu Speicherplatz.
Hybrid bezeichnet den gleichzeitigen Betrieb beider Formen mit bewusster Aufteilung. Nicht als Kompromiss, sondern weil unterschiedliche Anwendungen unterschiedliche Anforderungen haben.
Die acht Kriterien
Diese Tabelle ist bewusst ohne Wertung gebaut. Sie ersetzt keine Beratung, hilft aber dabei, das Gespräch auf die richtigen Punkte zu lenken.
| Kriterium | Spricht für eigenen Server | Spricht für Cloud |
|---|---|---|
| Internetanbindung | schwache, langsame oder störanfällige Anbindung am Standort | leistungsfähige, möglichst redundante Anbindung |
| Datenmenge | große, ständig bewegte Datenmengen wie CAD, Video oder Messdaten | überwiegend Dokumente und Anwendungsdaten |
| Fachanwendungen | Branchensoftware mit Anbindung an Maschinen, Waagen, Kassen oder Steuerungen | webbasierte oder ausdrücklich cloudfähige Anwendungen |
| Kostenstruktur | Investition ist gewünscht, Abschreibung planbar | laufende Kosten sind gewünscht, keine Investition |
| Standorte | ein Standort, alle Beschäftigten vor Ort | mehrere Standorte, Außendienst, Homeoffice |
| Schwankung | konstante Last über das Jahr | stark schwankender Bedarf, Projektspitzen, Saisongeschäft |
| Betriebsverantwortung | eigene IT vorhanden, die den Betrieb übernehmen kann und will | Betrieb soll bewusst abgegeben werden |
| Rechtlicher Rahmen | besondere Anforderungen an den Ort der Verarbeitung | Standardanforderungen, Verarbeitung in der EU ausreichend |
Warum hybrid der Regelfall ist
In der von uns betreuten Größenordnung führt die Prüfung fast immer zu einem gemischten Aufbau, und zwar nicht aus Unentschlossenheit, sondern weil die Kriterien für verschiedene Anwendungen verschieden ausfallen.
Ein typisches Bild in einem produzierenden Betrieb sieht so aus:
- Lokal: Warenwirtschaft oder ERP mit Anbindung an Maschinen und Waagen, Dateiablage für große Konstruktionsdaten, Steuerungssysteme, Telefonie mit Tor- und Türsprechstellen.
- Cloud: E-Mail und Kalender, Zusammenarbeit und Videokonferenzen, Dateiablage für Büroanwendungen, Personalwesen, mobile Arbeitsplätze.
- In beide Richtungen: die Sicherung. Lokale Daten werden zusätzlich außer Haus gesichert, Cloud-Daten zusätzlich lokal. Das entspricht der Regel, drei Kopien auf zwei Medientypen zu halten, davon eine außer Haus.
Die Kunst liegt nicht in der Entscheidung für eine Seite, sondern im sauberen Schnitt zwischen beiden und in der Frage, welche Prozesse auch dann laufen müssen, wenn die Leitung ausfällt.
Der Kostenvergleich, der meistens falsch geführt wird
Der häufigste Fehler ist, den Anschaffungspreis eines Servers mit der monatlichen Cloud-Rechnung zu vergleichen. Ein belastbarer Vergleich rechnet über die gesamte Nutzungsdauer und auf beiden Seiten vollständig.
| Seite | Wird meistens gerechnet | Wird meistens vergessen |
|---|---|---|
| Eigener Server | Hardware, Betriebssystem- und Anwendungslizenzen | Strom, Klimatisierung, Raum, unterbrechungsfreie Stromversorgung, Wartungsvertrag, Sicherungsmedien, Betriebsaufwand, Ersatzbeschaffung nach Ablauf der Nutzungsdauer |
| Cloud | monatlicher Grundpreis je Nutzer oder Instanz | Datenübertragung, Sicherung und deren Aufbewahrung, zusätzliche Lizenzen, Ausbau der Internetanbindung, Migrationsaufwand, Aufwand für den Rückweg |
Der letzte Punkt verdient eine eigene Erwähnung: Der Rückweg aus der Cloud ist in der Kalkulation fast nie enthalten und im Ernstfall der teuerste Posten. Fragen Sie vor einer Migration, wie Sie Ihre Daten wieder herausbekommen, in welchem Format und in welcher Zeit.
Drei häufige Fehlannahmen
„In der Cloud kümmert sich jemand um die Sicherung"
Anbieter sichern in der Regel ihre eigene Infrastruktur, nicht Ihre Daten gegen Ihre eigenen Fehler. Wenn jemand versehentlich ein Postfach oder eine Dateiablage löscht, entscheidet die vereinbarte Aufbewahrungsfrist, ob das wiederherstellbar ist. Diese Frist ist häufig kürzer, als Anwender vermuten.
„Cloud heißt, wir brauchen keine IT mehr"
Der Betriebsaufwand verschiebt sich, er verschwindet nicht. Statt Hardware zu warten, verwaltet man Identitäten, Rechte, Lizenzen und Konfigurationen. Bei mehreren Diensten ist dieser Aufwand nicht kleiner, nur anders.
„Ein eigener Server ist unabhängig"
Auch das stimmt nur teilweise. Ein Server ohne Herstellerunterstützung, ohne Ersatzteile und ohne geprüfte Rücksicherung ist nicht unabhängig, sondern unwiederherstellbar. Unabhängigkeit entsteht durch Wartbarkeit, nicht durch Besitzverhältnisse.
Häufige Fragen
Ist die Cloud günstiger als ein eigener Server?
Nicht pauschal. Cloud verschiebt Investitionen zu laufenden Kosten, was die Liquiditätsplanung erleichtert, aber über die Nutzungsdauer nicht automatisch günstiger ist. Ein ehrlicher Vergleich rechnet auf beiden Seiten alles mit: beim eigenen Server auch Strom, Klima, Raum, Wartung, Sicherung und den Betriebsaufwand; in der Cloud auch Datenübertragung, Sicherung, Lizenzen und die Anbindung.
Was passiert bei einem Internetausfall?
Das ist die entscheidende Frage bei jeder Cloud-Entscheidung. Wenn zentrale Anwendungen in der Cloud liegen und die Leitung ausfällt, steht der Betrieb. Deshalb gehört zu jeder Cloud-Entscheidung eine Rückfallebene: ein zweiter Anschluss, ein Mobilfunk-Rückfall oder lokal betriebene Systeme für die Prozesse, die auch offline laufen müssen.
Ist die Cloud sicherer als ein eigener Server?
Die Infrastruktur großer Anbieter ist in der Regel besser abgesichert als ein Serverraum im Mittelstand. Das verschiebt das Risiko aber nur, es verschwindet nicht: Es wandert zu Zugangsdaten und Konfiguration. Die häufigsten Vorfälle in Cloud-Umgebungen entstehen nicht durch Angriffe auf den Anbieter, sondern durch übernommene Konten und falsch gesetzte Freigaben. Mehr-Faktor-Authentisierung ist deshalb keine Kür.
Was ist mit dem Datenschutz?
Entscheidend sind der Ort der Verarbeitung, der Auftragsverarbeitungsvertrag und die Frage, ob ein Zugriff aus Drittstaaten möglich ist. Für viele mittelständische Anwendungen ist eine Verarbeitung in Deutschland oder der EU die einfachere Antwort, weil sie die Prüfkette verkürzt. Die rechtliche Bewertung des Einzelfalls gehört in fachkundige Hände.
Können wir Schritt für Schritt migrieren?
Ja, und das ist meistens der bessere Weg. Üblich ist die Reihenfolge E-Mail und Zusammenarbeit zuerst, dann Dateiablage, dann Fachanwendungen. Produktionsnahe Systeme bleiben oft dauerhaft lokal. Wichtig ist, dass jeder Schritt für sich funktionsfähig ist und einen Rückweg hat.
Als Provider mit eigener Infrastruktur betreiben wir beide Welten. Was das konkret heißt, steht auf den Seiten Netzwerk und Infrastruktur und Hosting und Domains. Zur Absicherung beider Seiten siehe IT-Sicherheit. Oder fragen Sie direkt.